Zeiten im Inntal


Bericht über die die Buchvorstellung

Konrad Schinkinger

stellte der GEW
am 1.3.2012 sein Buch vor

"Zeiten im Inntal"

Bericht von Lothar Walter



Eine andere Heimatgeschichte

GEW Rosenheim auf Spurensuche im Inntal

Es sei für Lehrkräfte jeder Schulart wichtig, das heimatliche Umfeld ihrer Schüler zu kennen, so Andreas Salomon, Kreisvorsitzender der GEW Rosenheim, zur Eröffnung einer Veranstaltung mit dem Raublinger Heimatforscher Konrad Schinkinger, dessen kürzlich erschienenes Buch "Zeiten im Inntal" Recherchen zur jüngeren Zeitgeschichte der Gemeinde Raubling enthält. Dass dieses Thema Fortbildungsqualität habe, sehe man an der Kooperation mit der Grundschule Großholzhausen und so konnte Salomon die Rektorin Anita Schober und Kolleginnen begrüßen.

Schinkinger erläuterte, bevor er den Inhalt seines Buches in gestraffter Form referierte, seinen persönlichen Hintergrund und die Motivation für seine Forschungen. Anstoß waren die Erzählungen seines Großvaters über die unmenschliche Behandlung von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen in der Papierfabrik Redenfelden, aber dass zur offiziellen 100-Jahr-Feier nur ein reduziertes, immer nur positives Bild der jüngeren Zeitgeschichte gezeichnet wurde. "Ist mit blinden gleich braunen Flecken die NS-Zeit in der Heimatgemeinde begreifbar?", fragte Schinkinger. Ihm gehe es nicht darum zu verurteilen und Menschen an den Pranger zu stellen, sondern zu erklären und damit beizutragen, dass niemals wieder solche Unmenschlichkeit in die Heimat einzieht.

In seinem Vortrag beleuchtete Schinkinger Aufstieg und Untergang der lokalen NSDAP in den Ortschaften der Gemeinde Raubling, er zeigte örtliche Machtstrukturen und Abhängigkeiten, Verfolgung und Widerstand bis hin zu Untergang und Befreiung und die Entnazifizierung. Um das Jahr 1930 wurde der unselbstständige NSDAP-Stützpunkt Raubling gegründet. 1935 wurde Raubling zur NSDAP- Ortsgruppe erhoben, bis zu 90% der NS-Funktionäre waren Mitarbeiter der Aschaffenburger Zellstoffwerke. Die Redenfeldener Papierfabrik war somit die Keimzelle der örtlichen NSDAP, so Schinkinger. Auch war gerade diese straff geführte Ortsgruppe in der Umsetzung der nationalsozialistischen Politik besonders linientreu, "also hundertfünfzigprozentig". Ganz anders die andere Ortsgruppe auf dem Gemeindegebiet in Großholzhausen. Schinkinger las ein Dokument vor, in dem sich ein zugezogener Nazi über die Laschheit in der Ortsgruppe beschwerte. Überhaupt habe sich Großholzhausen bis zur Machtergreifung den Nazis verweigert.

"Wie gehe ich mit (Heimat-) Geschichte um?", fragte GEW-Kreisvorsitzender Salomon nach dem Referat. Es müsse die Vielgestaltigkeit der vergangenen Wirklichkeit in allen Facetten dargestellt werden, es müsse alles aufgedeckt werden, dass sich nichts wiederhole. Er dankte dem Referenten für sein mutiges Gegen-den-Strom-Schwimmen trotz mancher persönlicher Anfeindungen. Schinkingers Forschungsarbeiten haben über die Gemeinde hinaus allgemeine Bedeutung für eine konkrete Geschichtsvermittlung an die Jugend, damit sich jede Generation die Bedeutung von Demokratie, Freiheit und Menschnrechten für ihr eigenes Leben bewußt mache.


Zeiten im Inntal
Recherche zur jüngeren Zeitgeschichte der Gemeinde Raubling
Erscheint im Eigenverlag.
322 Seiten, S/W, 70 Tabellen und gut 100 Abbildungen.

ISBN 978-3-00-036064-0
Preis 24,90 (Versand gegen Vorkasse zzgl 5,00 Versandkostenanteil)

Bezugsadresse:
Konrad Schinkinger
Hoppenbichlstraße 18a
83064 Raubling
Tel: 08035-984755
konrad_schinkinger@t-online.de