Tolstoj-Ausstellung


GEW Rosenheim im Münchner Haus der Literatur

Besuch der Tolstoj-Ausstellung

Bericht Lothar Walter

Samstag im Advent. Eine knapp 20-köpfige Schar von GEWlern einschließlich Angehöriger (in München werden noch weitere Interessierte hinzukommen) drängt sich in den überfüllten Zug nach München. In München entscheidet sich die Gruppe zu einem Fußmarsch zum Haus der Literatur. Unterwegs am Justizpalast vorbei, wo Reiners spontaner Einfall, die Gedenktafel für die Geschwister Scholl zu besichtigen, an der verschlossenen Eingangstür scheitert.

Gut in der Zeit. Wir kommen eine Stunde vor Führungsbeginn an und können uns so im Café des Literaturhauses aufwärmen und stärken. Anlass der Ausstellung "`Ein Licht mir aufgegangen´- Lev Tolstoj und Deutschland" ist der 100. Todestag des Dichters (am 7. November 1910) und hat als Schwerpunkt Tolstojs Beziehungen zu Deutschland.

Die Ausstellungsführung beginnt und dauert etwa eine Stunde. Die Ausstellung zeigt viele Bilder und Dokumente (meist Repliken), Texttafeln, auch einen Originalfilm und besteht aus sechs Stationen zu leitmotivischen Fragen, die den Dichter beschäftigten und die er in seinen Werken abarbeitete, u. a. "Wer bin ich?", "Wozu leben wir?", "Wie sterben Soldaten?", "Was lernt man in/von Deutschland?", "Wer ist schuld?", "Worin besteht mein Glaube?". Anfang und Ende des Rundgangs ist Tolstojs namenloses Grab im Wald bei seinem Landgut.

Die Ausstellung erhellt die engen geistigen und persönlichen Beziehungen Tolstojs zu deutscher Sprache (er verwendet viele deutsche Wörter und Redewendungen in seinen [russischen] Texten), Kultur, Literatur (er wurde stark vom Schriftsteller Berthold Auerbach beeinflusst) und Philosophie (Arthur Schopenhauer); er hatte deutsche Erzieher/Hauslehrer und war mit der Deutschrussin Sofja Andrejewna Behr verheiratet.

Tolstoj stellte die herrschenden russischen Zustände in Frage, lehnte seine sozial-reformerischen Ideen an die "praktische Vernunft" an und suchte in seinem Spätwerk eine "praktische" Religion, die er auch mit radikaler Konsequenz für sich verwirklichte. So verzichtete er im Alter auf seinen Grafentitel und seine Autorenrechte, was zum Zerwürfnis mit seiner Frau führte. Schließlich sucht er den Tod. Am 28.10.1910 verlässt er heimlich sein Gut Jasnaja Poljana und stirbt am 7. November auf der Bahnstation Astapowo.

Kreisvorsitzender Salomon dankte der kompetenten Führung und lud anschließend die Besucherschar zum angekündigten Adventskaffee am gleichen Ort ein, d. h. wir nehmen wieder unsere Plätze im Cafe ein.

Auf dem gleichen Weg zurück zum Hauptbahnhof, bringt uns die Bahn um 19:00 Uhr wieder nach Rosenheim.