Schwedisches Schulsystem


Pressemitteilung

von Lothar Walter

über den Vortrag

von Peter Caspari

am 22.4.2010

über das schwedische Schulsystem

"Eine Schule für alle"


Eine Schule für alle - Einblicke in das schwedische Schulsystem

Die Rosenheimer Lehrergewerkschaft ließ sich von ihrem Bezirksvorsitzenden Peter Caspari Einblicke in das schwedische Schulsystem, einem PISA-Spitzenreiter, gewähren. Caspari kam von einer einwöchigen Fortbildungsreise nach Helsingborg und Malmö und konnte in seiner Power-Point-Präsentation auch eine bildliche Vorstellung des dortigen Schulwesens vermit-teln.

In seiner Begrüßung erinnerte der Kreisvorsitzende Andreas Salomon an das humane Ziel der GEW, eine Schule ohne Angst zu schaffen, in welcher das Kind im Mittelpunkt steht. Er wünsche sich ein Bildungssystem, das niemand ausschließe und jedem zu einem Abschluss führe. Er könne sich das nur in einem integrativen Schulsystem vorstellen.

In Schweden gehen die Kinder einfach zur Schule, von Klasse 1 bis 9, ohne weitere Bezeichnung wie Mittel-oder Realschule, eben weil es nur eine Schule für alle Kinder gibt. Diese Schule ist eine Ganztagsschule mit Verpflegung und einem Freizeitangebot. Nach der neunten Klasse gehen 97 % der Schüler weiter auf das dreijährige Gymnasium, das sowohl berufsbildende wie auch studienvorbereitende Inhalte vermittelt.

Dieser einfache, überschaubare gerade Weg in die Arbeitswelt oder auf die Universität kommt bis zur achten Klasse ohne Noten, unter Verzicht auf Sitzenbleiben und demzufolge ohne Angst vor Versagen und Abstieg aus. Eltern können also bei den intensiv in Anspruch genommenen, halbjährlichen Elterngesprächen kaum schlechte Nachrichten über Sohn oder Tochter hören, Schulsorgen sind im Prinzip unbekannt. Auf die Eltern kommen auch keine Ausgaben für Bücher, Unterrichtsmaterialien oder Schulveranstaltungen zu, nur das Mittagessen auf dem Gymnasium ist zu bezahlen. Die Kostenfreiheit der Schule ist verwirklicht. Der herkömmliche Unterricht an bayerischen Schulen, Frontalunterricht im Klassenverband, ist in Schweden weitgehend durch individualisierte Formen abgelöst. Für jeden Schüler gibt es einen individuellen Entwicklungsplan mit Projektvorhaben und wöchentlichen Schwerpunkten. Der Lehrer wird zum Coach für 12 bis 15 Schüler, er bespricht mit ihnen die Lernleistungen und überwacht die Erfüllung der Pläne und Projekte. In den Jahrgangsstufen 3, 5 und 9 gibt es nationale Prüfungen von jeweils vier Wochen Dauer mit 20 Tests in den Fächern Schwedisch, Mathematik und Englisch.

Der Referent war von den selbständig arbeitenden Schülern und der guten Ausstattung mit Lehrmaterialien und Computern beeindruckt. Wichtiger war es ihm aber, auf die gute Lehrerversorgung hinzuweisen sowie auf den hohen Stellenwert der Elternarbeit. Der schwedische Staat gibt in einem nationalen Lehrplan einen Mindestrahmen vor. Diesen füllen die Gemeinden, angepasst an die örtlichen Verhältnisse. Sie sind die für das gesamte Schulwesen einschließlich Lehrereinstellung verantwortlich. Ein kommunaler Finanzausgleich garantiert, dass in diesem dezentralen Schulsystem überall annähernd gleiche Bildungschancen bestehen. Nach Referat und Diskussion zog der Kreisvorsitzende Andreas Salomon das Fazit, dass "unterm Strich die schwedische Schule die bessere sei". Die GEW wolle das dreigliedrige Schulsystem durch "eine Schule für alle" ablösen. Sollte es in Bayern hierzu eines Tages kommen, so könne man auf die Erfahrungen Schwedens beim Umbau des Schulwesens zurückgreifen, denn dieses war bis in die 1990er-Jahre dreigliedrig.