Rudolf Link


Rudolf Link - ein Kolbermoorer Revolutionär

Maiveranstaltung des DGB am 30.4.2011 in Kolbermoor

Die Maiveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Kolbermoor wurde dieses Jahr von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gestaltet. In einem packenden Vortrag referierte der Kreisvorsitzende Andreas Salomon über den jungen Lehrer Rudolf Link, der während der Rätezeit 1919 in Kolbermoor Mitglied des 3. Volksrates, des revolutionären Arbeiterrates, gewesen war. Im voll besetzten Nebenzimmer der Pizzeria Milano zum Mareis, einem historischen Ort in Bezug auf die damalige Zeit, gelang es Salomon auf lebendige und anschauliche Weise das Leben und Wirken von Rudolf Link und seine Bedeutung für Kolbermoor sichtbar zu machen.

Der 24-jährige Link trat am 16. September 1918 seinen Dienst als Hilfslehrer an der Kolbermoorer Volksschule an und übernahm die Klasse V b. Nach 17 Monaten Kriegseinsatz war dies seine erste Stelle. In den "Schulgeschichtlichen Aufzeichnungen" weiß Schulleiter Wilhelm Zerr über seinen Kollegen in den kommenden Monaten nichts Besonderes zu vermerken. Nach neun Monaten liest man allerdings: wegen "spartakistischer" Aktivitäten nach Hilgertshausen versetzt.

Was war passiert? Zwei Monate nach dem Amtsantritt von Link war in Kolbermoor im Mareissaal der 1. Volksrat gebildet worden (11. November) und Link dürfte dessen Aktivitäten mit großem Interesse beobachtet und möglicherweise auch inhaltlich begleitet haben. Noch taucht sein Name nirgends im Zusammenhang mit den Räten auf. Aus späteren polizeilichen Vernehmungen wissen wir, dass er am 1.4.1919 der Kommunistischen Partei beitrat. Vier Wochen später, am 29.4.1919 wurde er in den neunköpfigen Revolutionären Arbeiterrat gewählt und übernahm die Aufgabe des Schriftführers. Link fällt mit dieser Mitgliedschaft eine ausgesprochen bedeutsame Aufgabe zu. Denn der Volksratsvorsitzende Georg Schuhmann ist zu dieser Zeit der 5. Kolbermoorer Bürgermeister und der Volksrat mit Rudolf Link ist gewählt, um die Geschicke der Stadt mitzubestimmen.

Aber der Volksrat ist nur noch wenige Tage im Amt, denn 6000 Mitglieder der Regierungstruppen und Weißgardisten ziehen am 2. Mai einen Belagerungsring um Kolbermoor, um endgültig der Räterepublik in Bayern ein Ende zu bereiten. Kolbermoor ist bayernweit die letzte Bastion. Im Mareissaal kommt es zu erregten Diskussionen, die Link in seinem Notizbuch notiert, aus dem Salomon erstmalig zitiert. Was ist zu tun? Soll man mit Waffengewalt verteidigen und sich bedingungslos ergeben wie von den Kolbermoorern verlangt wird? Schließlich kommt es mit den Belagerern zu Verhandlungen und Link ist einer der beiden Verhandlungsführer der Räte. Dank Schuhmanns großem Einfluss wird von einer Verteidigung mit Waffen abgesehen und die Stadt übergeben.

Einen Tag später werden Georg Schuhmann und Alois Lahn aus ihren Wohnungen gezerrt und bei der Tonwerksunterführung von Grafinger Weißgardisten erschossen. Am 7. Mai findet unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung die Beerdigung statt. Rudolf Link spricht "namens der Genossen und Genossinnen" und legt einen Kranz nieder. Weniger Tage später erscheint sein Nachruf in der Zeitung. Dort heißt es unter anderem: "Wir mussten unseren Schuhmann begraben, ihn, dessen selbstlose Hingabe für die werktätige Einwohnerschaft auch der politische Gegner würdigen muß. Alles für andere, für sich nichts! (...)." Link appelliert an die Anhänger der Räterepublik, in ihrem Kampf um Freiheit nicht nachzulassen.

Link, der bereits am 4. Mai verhaftet worden war, wurde nur für die Beerdigung kurz freigelassen, um erneut inhaftiert zu werden. Seine Lehrerkollegen und der Schulleiter setzen sich für seine Freilassung ein und wollen für ihn bürgen. Sein Kollege Johann Lorenz gibt zu Protokoll, Link sei ein sehr ruhiger Mensch, habe auch beruhigend auf die Regierungstruppen eingewirkt und sei nie "hetzerisch" aufgetreten. Als seine Wohnung nach Waffen durchsucht wird, werden stattdessen Liebesbriefen gefunden, die auf zarte und empfindsame Weise Zeugnis von seiner Beziehung mit der Kolbermoorerin Marie Schrank ablegen.

Auch der Betriebsratsvositzende der Spinnerei Adolf Pesold setzte sich für Link ein. Dieser gibt selbst zu Protokoll unschuldig zu sein, alle Anklagepunkte seien unzutreffend. Nie habe er ein Gewehr benutzt, allerdings sich bewaffnet wie alle anderen Arbeiter, zu denen er sich zugehörig fühle, auch. Es gelingt nicht, Link eine strafbare Handlung nachzuweisen und schließlich muss er entlassen werden, wird aber nach Hilgertshausen strafversetzt. 1933 mit dem Machtantritt der Nazis wird Rudolf Link aus dem Schuldienst entlassen. Dann verliert sich seine Spur.

Die Anwesenden dankten dem Referenten mit anhaltendem Applaus für seine kenntnisreiche und spannende Darstellung.