PISAker 2010


Sozialschmarotzer
mit Lexikongesicht

Lehrerkabarett Pisaker zeigt
"Die Schule ist ein grausames Spiel"

am 12.3.2010 im Lokschuppen
Bericht im OVB am 19.03.2010
von Raphaela Hinterberger


"Alles muss raus, aber bitte die Ware nicht begrapschen, denn sie wollen doch auch keine Pädagogin kaufen, an der schon jemand rumgefingert hat", hieß es beim Lehrerkabarett der Pisaker auf der Bühne im gut besuchten Rosenheimer Lokschuppen. Unter dem vielsagenden Titel "Die Schule ist ein grausames Spiel" hatte der Kreisverband Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die engagierte Pauker-Truppe aus dem Chiemgau eingeladen, um den Lehrerberuf auf humoristisch-kritische Art und Weise zu beleuchten.

So packte man die Kunsterzieherin oder den Rektor im Ruhestand ohne Computerkenntnisse kurzerhand in Kartons im Factory-Outlet-Center, um sie möglichst schnell an den Mann zu bringen. Mit derart überzogenen. amüsanten Aktionen thematisierten die Pisaker gelungen die Bildungsdiskussion und brachten alle typischen Lehrer-Klischees aufs Tapet. Gerade weil die einfallsreichen Akteure selbst aktiv als Lehrer tätig sind, waren ihre kleinen Sketche vor wechselnder Kulisse von ansprechend-frischen, ja lebensnahen Ideen und einer guten Prise Kreativität geprägt.

Der Schnupper-Computerkurs für die "Generation 50 Plus", in dem die Teilnehmer ihre Systemadministratorin durch dümmliche Zwischenfragen schier in den Wahnsinn trieben, die Dozenten, die sich im Lehrerzimmer über ihren Hass-Schüler, den "Sozialschmarotzer mit Lexikongesicht", beklagen oder der Elternabend mit Kampf um das heiß begehrte Übertritts-Zeugnis waren im Grundgedanken und der Umsetzung besonders ansprechend. Auch die ehemalige Schülerin, die inzwischen mit ihrem Professor verheiratet ist und sich immer zu Wort melden muss, wenn sie etwas sagen möchte, und deren Mutter das Gespräch mit dem Schwiegersohn nicht etwa am Telefon, sondern gefälligst in der Sprechstunde suchen soll, sorgte für viel Begeisterung. Abwechslung brachten zudem immer wieder mit in das Programm eingebaute Songs wie "Ich will nen Lehrer als Mann" oder "Junge, werd nie Lehrer".

Auch weil nicht immer alles ganz perfekt und reibungslos ablief, ließ das Lehrerkabarett, dessen Mitwirkende sich schließlich im Hauptberuf nicht der Schauspielerei verschrieben haben, so charmant und authentisch wirken. Die Lehrer verkörperten die jeweiligen Charaktere offensichtlich aus erlebten Situationen heraus und überzeichneten ihre Erfahrungen mit viel Spielfreude. Applaus für wirklich beachtliche darstellerische Leistungen in einem sehenswerten Kabarett!