1. Mai 2011


Bericht über die

Veranstaltungen

zum 1. Mai 2011

in Kolbermoor und Rosenheim

von Andreas Salomon

Die gewerkschaftlichen Feierlichkeiten zum 1. Mai wurden in diesem Jahr sowohl in Kolbermoor wie vor allem in Rosenheim in einem neuen zeitgemäßen Rahmen veranstaltet und mit aktuellen Themen versehen. Daran war die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft maßgeblich beteiligt.


Kolbermoor - Referat über Rudolf Link

Auf Vorschlag der DGB - Kreisvorsitzenden Ingrid Meindl - Winkler wurde in Kolbermoor Bezug auf die Geschichte der Arbeiterbewegung genommen. Der GEW - Kreisvorsitzende hielt daher ein Referat zu Rudolf Link, der 1919 Mitglied im Revolutionären Arbeiterrat war. Zuvor berichtete er aber anlääslich des 1. Mai von dessen Entstehungsgeschichte.

Der 24-jährige Volksschullehrer Rudolf Link, der in Kolbermoor 1918 seine erste Stelle antrat, unterstützte bald die Rätebewegung vor Ort und wurde in den 3. Volksrat als Schriftführer hineingewählt. Bei der Beerdigung von Schuhmann und Lahn hielt er die Rede für die Kampfgefährten der Ermordeten. Nach der Übergabe der Stadt wurde er vor Gericht gestellt. Es konnten ihm aber keine strafbaren Handlungen nachgewiesen werden. Dennoch wurde er nach Hilgertshausen versetzt, wo sich 1933 seine Spur verliert.

Im Anschluss des Referates und einer Aussprache begaben sich die 30 Besucher gewissermaßen in einer unangemeldeten Demonstration zur Gedenkstätte von Schuhmann und Lahn an der Tonwerksunterführung und legte dort rote Nelken nieder.

Die ausführliche Presseninformation dazu finden Sie hier


Rosenheim - Demonstrationszug

Der 1. Mai in Rosenheim begann mit einer Demonstration vor der Berufsschule in der Wittelsbacher Straße, die laut Beschluss des DGB - Kreisvorstandes dem Thema Bildungspolitik gewidmet war. Die Eröffnungsansprache zum Thema hielt der GEW - Kreisvorsitzende Andreas Salomon. Im Laufe der Demonstration stoppte der Zug noch mehrmals vor anderen Schulen, wo weitere Redner das Wort ergriffen. So sprachen Vertreter von Verdi, der Schülergruppe "Bildungsstreik", der Infogruppe sowie ein Elternvertreter des Finsterwalder Gymnasiums.

Alle Ansprachen insgesamt ergaben ein umfassendes Bild, wie sehr die Bildungspolitik in Bayern vernachlässigt wird. Ob es um die Kindertagesstätten ging, die Schulen, die Behindertenpolitik an Schulen, die Universitäten und die Erwachsenenbildung - überall zeigen sich deutlich Mängel und Fehlentwicklungen.


Rosenheim - Kundgebung

Nachdem die Demonstration das DGB-Haus in der Brixstraße erreicht hatte, hatte der GEW-Vorsitzende erneut die Möglichkeit jetzt vor den 300 Versammelten zur Bildungspolitik zu sprechen.

Die Eröffnungsrede kann hier nachgelesen werden.

Der Hauptreferent der Kundgebung vor dem DGB-Haus war Franz Möllenberg, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung Genus Gaststätten. Sein Referat war sehr aktuell, ausgesprochen inhaltsreich und überzeugend vorgetragen.

Der Liedermacher Martin Piper und das Jugendtheater Bruckmühl trugen zur Unterhaltung bei.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der 1. Mai 2011 in Rosenheim so erfolgreich war wie lange nicht mehr. Der DGB - Kreisvorstand war gut beraten, die Demonstration unter das Thema Bildungspolitik zu stellen. Und es war ein deutlicher Schritt nach vorn, sich zu öffnen und auch anderen Gruppen die Möglichkeit anzubieten, am 1. Mai Position zu beziehen.

Die Gewerkschaftsbewegung bekommt deutlich wieder mehr Bodenhaftung, wenn sie diesen Kurs weiterverfolgt, eine breite Bündnispolitik praktiziert und zunehmend den Weg in die Öffentlichkeit sucht. Es steht ihr auch gut an, wenn sie ihre Themenpalette verbreitert (siehe Atompolitik) und sich nicht zu engstirnig nur auf die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezieht. Die Politik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der gesamte DGB der Region sich jetzt in diese Richtung entwickelt.