Imaginäres Museum


Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
zu Besuch im imaginären Museum in Wasserburg

Bericht: Andreas Salomon
Bilder: Maritta Salomon


Was gibt es in Wasserburg, dieser bezaubernden mittelalterlichen, in eine Innschleife geschmiegten Stadt, nicht alles zu entdecken! Beim alljährlichen Treffen der Gewerkschaftsmitglieder der GEW mit ihren Wasserburger Kollegen war es diesmal das Imaginäre Museum. Beheimatet in den wuchtigen Mauern des jahrhundertealten Brucktors ist es geradezu ein Kleinod unter den Museen, ist es doch bundesweit das einzige seiner Art und verdient deutlich mehr Aufmerksamkeit, als ihm zurzeit zuteil wird.

Seit 1979 beherbergt das ehemalige Spital die Kunstwerke von Günter Dietz und seiner Mitarbeiter. Und man kann nur staunen, was man dort alles zu sehen bekommt: An die 400 Gemälde, Meisterwerke aus ganz Europa, meint man im Original vor sich zu haben. Es handelt sich um Nachschöpfungen, und man möchte fast Neuschöpfungen sagen, von Werken der europäischen bildenden Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Vor 50 Jahren entwickelte der Grafiker und Maler Günter Dietz ein Verfahren der Reproduktion, bei dem es ihm gelang, Kunst so nachzuvollziehen, wie der jeweilige Maler gemalt hat, wobei er mit dessen Farben und dessen Originalmaterial arbeitete. Durch das vielfache Auftragen farbpigmenter Schichten, entstehen Repliken, die nahezu vom Original nicht mehr zu unterscheiden sind.

Die Gründidee war, im Sinne der Maler ihre Werke zu verbreiten und einem großen Publikum bekannt und verfügbar zu machen. Dietz strebte eine Demokratisierung der Kunst auf höchstem Niveau an, denn "Kunst ist für alle da, und jeder soll sie besitzen konnen". Seine Arbeit stellte er dabei auf vier Beine: die Zusammenarbeit mit Künstlern, die Reproduktion der Werke verstorbener Künstler, die Reproduktion von Bildern, die so empfindlich sind, dass sie nur selten an die Öffentlichkeit kommen und die Gestaltung von Bildern, die verschollen sind, wie z.B. das Bild "Regenbogen" von Caspar David Friedrich.

Inzwischen wird in der 2. und 3. Generation gearbeitet und die Qualität konnte noch weiter gesteigert werden. Die Dietz-Replik, so die Tochter von Günter Dietz, Petra Roßner-Dietz, habe weltweit neue Maßstäbe gesetzt, wovon die Gewerkschafter sich überzeugen konnten. So waren wunderschöne Bilder von Picasso, Monet oder Hundertwasser und vielen anderen zu bewundern, die die Betrachter in ihren Bann schlugen. Picasso habe bei der Betrachtung einer Replik von Dietz gesagt: "Unglaublich, diesen Mann muss ich kennnen lernen." Und Buchheim sprach gar von der "Wiederholung von Unikaten". Frau Roßner-Dietz wusste auch zu berichten, dass zahlreiche Künstler von den Repliken so begeistert waren, dass sie nach Wasserburg kamen und oft längere Zeit im Hause Dietz wohnten, um mit dem Museumsgründer zusammenzuarbeiten. Ja, Museen in aller Welt hätten die Arbeit von Dietz unterstützt.

Frau Roßner-Dietz gelang es mit ihrer sehr kompetenten und zugleich unterhaltsamen Führung die Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft tief zu beeindrucken, wofür ihr der Kreisvorsitzende Andreas Salomon herzlich dankte.