Kinder brauchen Grenzen


Pressemitteilung vom 29.10.2010
von Lothar Walter
zum Vortrag von Prof. Dr. Klaus Weber
bei der GEW Rosenheim

"Kinder brauchen Grenzen - brauchen Kinder Grenzen?"

Kinder und die Probleme, die Eltern und Lehrer mit deren Erziehung haben, sind in aller Munde. Für die einen sind sie "Tyrannen", denen die Erziehenden nichts entgegenzusetzen haben, für die anderen "kleine Menschen", die Hilfe und Schutz benötigen, um "in die Gesellschaft hineinzuwachsen". Pädagogen und Psychologen scheinen zu wissen, wie viel Disziplin Kinder brauchen, damit sie auch zu dem werden, was man von ihnen erhofft. Landauf, landab hört man von den Grenzen, welche Kindern unbedingt gesetzt werden müssten.

Zu diesem aktuellen Thema sprach auf Einladung des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Professor Dr. Klaus Weber, der an der Hochschule München für angewandte Sozialwissenschaften Psychologie und Suchttheorien lehrt. Kreisvorsitzender Andreas Salomon knüpfte in seinen einführenden Worten an die banale Tatsache an, dass jeder Erwachsene rechtliche und moralische Grenzen einzuhalten habe, sonst er mit Konsequenzen rechnen müsse. Das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit in der Erziehung und Setzen von Grenzen müsse jede Generation immer wieder neu bestimmen, so interpretierte Salomon das Fragezeichen im Vortragsthema.

Professor Klaus Weber betonte, dass es unmöglich sei, die Leitfrage mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Das Kind solle sich in seine Umwelt einfügen und lernen Pflichten zu erfüllen. Die Ratgeberliteratur widerspreche sich oft und biete Erziehern und Eltern kaum echte Hilfe. Professor Weber untersuchte nun in seinem Vortrag die vom Bayerischen Staats-ministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen kostenlos an alle Kinderärzte verteilte CD-ROM bzw. DVD, die diese bei der FrüherkennungsuntersuchungU7a zum dritten Geburtstag des Kindes den Eltern überreichen. Diese DVD gibt praktische Erziehungstipps und beruht auf dem Konzept Freiheit in Grenzen des emeritierten Psychologieprofessors Klaus Schneewind.

Weber analysierte zunächst, dass die Filmszenen in einer Familie der wohlhabenden Mittel-schicht spielen und somit für die Bevölkerungsmehrheit, also für Familien in engen wirt-schaftlichen Grenzen, kaum bedeutsam seien. Es werde ständig an den Gefühlen der Kinder "herumgepolt". Die Eltern sollen das Einmaleins des Gefühlsmanagements beherrschen. Damit können sie erreichen, dass Kinder das, was sie tun sollen, auch tun wollen. Weber kritisierte dies als eine Erziehung zur Herstellung von Untertanen.

Professor Weber lehnt also eine "Pseudo-Partnerschaft", in der die "Machtverhältnisse ausgeblendet werden", ab. Letztlich gebieten doch die Eltern über die Kinder. Er plädierte für eine ehrliche und liebevolle Erziehung. Die Grenzen, die Eltern tagtäglich selbst erfahren und ihren Kindern weitergeben müssen, sollten den Kindern einsichtig gemacht werden. Kinder brauchen keine Regeln an sich, so Weber, sondern begründete Regeln.