freie Schule Glonntal


Pressemitteilung

von Lothar Walter

über den Besuch

der Freien Schule Glonntal


Lehrer-Gewerkschaft auf der Suche nach Alternativen

Besuch der Freien Schule Glonntal

Zehn Lehrerinnen und Lehrer der Bildungsgewerkschaft GEW des Kreisverbands Rosenheim besuchen am unterrichtsfreien Samstag die Freie Schule Glonntal in Piusheim bei Glonn. Schulgründer und Schulleiter Hartmut Lüling fesselt die interessierten Pädagogen mit seinem ambitionierten Vortrag, so dass am Ende der Führung aus den veranschlagten 90 Minuten drei Stunden geworden sind.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat weitergehende bildungsreformerische Vorstellungen, z. B. fordert sie eine Schule für alle ohne Leistungsdruck und Auslese. Die überwiegende Zahl der Mitglieder kennen aus der Praxis die Schwächen und Krankheiten des gegliederten Schulsystems. So ist der Kreisverband Rosenheim seit Jahren auf der Suche nach praktikablen Alternativen und besucht jedes Jahr eine pädagogische Alternative zur staatlichen Schule. Heuer stand nun die Freie Schule Glonntal auf dem Programm.

Schulleiter Hartmut Lüling wies sich in seiner kurzweiligen Einführung als engagierter Pädagoge aus, dessen Lebens- und Berufsweg konsequenterweise in die Gründung seiner Schule mündete. Sie beruhe auf einem erweiterten Waldorf-Konzept und ist staatlich genehmigt. Sie biete einen integrativen und einheitlichen Bildungsgang von der 1. bis zur 12. Klasse an und führe zu Abitur oder mittlere Reife. Eine Auslese auf Grund der Begabungslage oder der vorherigen Leistungen und Verhaltensauffälligkeiten der Schüler/innen finde nicht statt. Erwartet werde aber ein pädagogisches wie finanzielles Engagement der Eltern.

Die Schule wurde vor vier Jahren mit 220 Kindern gegründet, hat derzeit 370 Schüler und 64 Mitarbeiter; auf der Warteliste sind 160 Kinder vorgemerkt. Diese gestiegene Nachfrage spricht für eine erfolgreiche Schulgründung. Ist der Grund des Erfolgs auch in den drei Segelschiffen, vor Elba liegend, zu suchen? Mehrwöchige Segeltörns seien in der Tat, so Lüling, eine tragende Komponente des pädagogischen Konzepts der Schule und hätten nichts mit Dolce Vita zu tun, er erachte sie als einen wesentlichen Baustein der Menschenbildung. Das pädagogische Konzept sieht Schule als "Quelle der Kultur", sie dürfe nicht den Zwecken der Wirtschaft untergeordnet werden. Es gelte, so Lüling, dem jungen Menschen eine "Berufsgestaltungskompetenz" mitzugeben in einem angstfreien Schulklima ohne Sitzenbleiben und Notendruck.

Lülings Vortrag enthielt genügend Stichworte, die das Herz jedes Lehrergewerkschafters höher schlagen ließen und die zu einer kritischen Diskussion einluden. Es wurde auch zu Bedenken gegeben, ob es nicht trotz aller hehren pädagogischen Ziele zu einer sozialen Auslese der Schülerschaft komme. Das monatliche Schulgeld beträgt 270 Euro, hinzu kommen Essensgeld und Zusatzkosten für die schulischen Aktivitäten wie z. B. der Segeltörn. Die Schulfamilie sei, so Lüling, eine Solidargemeinschaft, in der jeder das gibt, was er geben kann. Aus finanziellen Gründen sei noch keine Aufnahme eines Schülers gescheitert. Ein anderer finanzieller Aspekt, gerade für Lehrer von Interesse, sei die gleiche Bezahlung.

Nach einem Rundgang durch das leere Schulgebäude und ohne natürlich die Fragen ausdiskutiert zu haben bedankte sich Kreisvorsitzender Andreas Salomon beim Gastgeber für die bereitwillige Auskunft und offene Atmosphäre, die viele interessante Informationen brachte und einen engagierten Meinungsaustausch ermöglichte.