Kurt Eisner - Revolutionär des Alltags


Pressebericht von Andreas Salomon
über den Veranstaltung am 4.5.09


Kurt Eisner - Revolutionär des Alltags

Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Kolbermoorer Räterepublik vor 90 Jahren referierte Prof. Dr. Klaus Weber über den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, den er als "Revolutionär des Alltags" vorstellte.

Zunächst zeigte Weber auf, warum gerade Eisner zum Anführer der revolutionären Bewegung im Herbst 1918 wurde. Schon Anfang des Jahres war er wegen seiner führenden Beteiligung am großen Streik der Münchner Arbeiter für die Beendigung des Krieges inhaftiert worden. Und als er im Oktober freigelassen wurde, setzte er sich gleich wieder mit Vehemenz für einen klaren Trennungsstrich zwischen dem deutschen Kaiserreich und der noch zu schaffenden demokratischen Gesellschaft ein.

Eisners Auftreten bei Massenversammlungen, so der Referent, habe wesentlich dazu beigetragen, die Menschen in Bewegung zu versetzen. Der spätere bayerische Ministerpräsident habe die einfachen Menschen bis in ihr Alltagsleben hinein mit all ihren Sorgen und Nöten sehr gut gekannt und ihre Sprache gesprochen. Bei der großen Friedenskundgebung am 7. November 1918 auf der Theresienwiese vermag er die Massen zu begeistern, die schließlich die Kasernen stürmen. Noch am gleichen Tag wird er von den neu gebildeten Arbeiter- und Soldatenräten zu ihrem Vorsitzenden gewählt und zum Ministerpräsidenten ausgerufen.

In seinen folgenden Ausführungen lässt sich Weber ausführlich auf die Revolutionsfeier vom 17. November 1918 ein, die im Großen Haus des Münchner Nationaltheaters stattfindet. Eingeleitet wird die Feier durch Beethovens Leonoren-Ouvertüre, die für Eisner den Widerstand gegen die reaktionären Kräfte in Europa symbolisiert.

Im Weiteren widmet sich Weber dem Journalisten und Erzähler Eisner, allerdings nicht ohne vorher wesentliche Errungenschaften der Revolution zu erwähnen wie die Erkämpfung des Frauenwahlrechts, die Etablierung von Religion an Schulen als Wahlfach oder die Abschaffung der Adelstitel. Nach einer Wahlniederlage seiner Partei, der USPD, habe Eisner zurücktreten wollen und sei auf dem Weg zum Landtag am 21. Februar 1919 ermordet worden.

Von Beruf war Eisner eigentlich Journalist, und zwar ein recht erfolgreicher. Weber berichtet, dass er "mit feinem Strich" Menschen gezeichnet habe, die aus erstarrender Passivität wieder zu befreiender Handlung gefunden hätten. So habe er sich auch immer wieder religiösen Themen gewidmet, um die mit den kirchlichen Ritualen verbunden Demutshaltungen der einzelnen Menschen in Frage zu stellen. Ihm sei es darum gegangen, so der Referent, "die Selbsttätigkeit der Einzelnen in der Masse anzuregen", sodass sie ihre "veränderungsfähigen Potentiale" erkennen.

Abschließend zog Dr. Weber das Resümee, dass Eisner immer auf die Menschen gesetzt habe, um einen demokratischen Neuanfang zu versuchen. Das habe ihn für die Anhänger des alten Systems so gefährlich gemacht.