Felix Berth


Bericht über den
Vortrag
von Felix Berth

"Die Verschwendung der Kindheit"

Eine Gemeinschaftsveranstaltung
der GEW Rosenheim und der
kritischen Bildungswerkstatt des DGB

Bericht: Lothar Walter


Die Verschwendung der Kindheit - wie Deutschland seinen Wohlstand verliert

Auf Einladung der Kritischen Bildungswerkstatt Rosenheim des DGB sowie des DGB Kreis- und Stadtverbands Rosenheim und der GEW Rosenheim hielt der Journalist und Buchautor Felix Berth einen Vortrag vor gut 20 Zuhörern im Gasthaus Höhensteiger. Berth war ab 2003 Redakteur der Süddeutschen Zeitung im Ressort Innenpolitik mit dem Schwerpunkt Kind und Familie. Seit 2010 ist er im Forschungszentrum Berlin. In Vertretung des Kreisvorsitzenden stellte sein Stellvertreter Reiner Schober in der Begrüßung die Bedeutung dieses bildungspolitischen Themas heraus. Es sei ein Kernbereich der GEW-Politik, sich um ein gedeihliches Aufwachsen der Kinder zu sorgen und hier für förderliche Rahmenbedingungen zu kämpfen. Darüber hinaus verwies er auf die Premiere der ersten Zusammenarbeit von GEW und Bildungswerkstatt und hoffte auf weitere gemeinsame Veranstaltungen.

Berth führte in seinem Vortrag, basierend auf seinem 2011 erschienenen Buch1, rezensiert in DDS Oktober 20112 sowie Leserbrief hierzu vom Kreisvorsitzenden Andreas Salomon in DDS Januar/Februar 20123, "drei Stränge" zusammen und legte dar, "wo das Buch herkommt". Erster Anlass war die kritische Sichtung von Experimenten in den USA in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Kindern mit miserablen Startchancen. Die frühkindliche, kom-pensatorische Förderung brachte mehr Chancen für das spätere Berufsleben als bei Kindern ohne frühe Förderung. "Frühe Bildung lohnt sich", so Felix Berth. Ein zweiter Ausgangspunkt sind verschiedene Aspekte der Kinderarmut, die wie mehrere PISA-Studien zeigten, zu Schul-versagen führen. Dabei sind dies, so der Rückschluss, immer Kinder armer Eltern. Der dritte Input entstand aus Berths aktueller Arbeit im Forschungszentrum Berlin. Als Ergebnis wird bestätigt, dass je schwieriger die Lebensverhältnisse sind, desto früher eine pädagogische Förderung notwendig ist. Diese führt zu Schulerfolg und weiter zu Berufstätigkeit, was Arbeitslosigkeit, staatliche Hilfen, Steuerausfälle und gar Kriminalität vermeidet.

In der Diskussion seiner Thesen kam Berth auch auf die Finanzierung der frühkindlichen Fördermaßnahmen zu sprechen. Was der Staat heute ausgebe, so Berth, bekomme er morgen durch Ersparnisse von gesellschaftlichen Kosten wieder zurück. Was aber die gegenwärtige Finanzierung angehe, so plädierte Berth nicht für eine Umverteilung staat-licher Ausgaben, sondern für eine Umschichtung im Ausgabenblock für Erziehung und Bil-dung. Es sei nicht sinnvoll, nach dem Gießkannenprinzip jedes Kind durch das Kindergeld gleich finanziell zu unterstützen, sondern z. B. durch Abschaffung des Kindergelds die ein- gesparten Gelder für eine gezielte Förderung der wirklich pädagogisch Bedürftigen einzu- setzen.


1Berth, Felix: Die Verschwendung der Kindheit. Wie Deutschland seinen Wohlstand verschleudert.
Beltz Verlag 2011
2Ehler Karin: Plädoyer für gerechtere Bildungsförderung. In: DDS Oktober 2011, S. 22
3Lesrebrief in DDS Januar/Februar 2012, S. 25