Kunst trotz(t) Armut


GEW Rosenheim besucht die Ausstellung

Kunst trotz(t) Armut

Bericht von Lothar Walter


Kurz vor dem Ausstellungsende schaffte es die Rosenheimer GEW noch, einen exklusiven Abendtermin mit Führung zu dieser Ausstellung zu bekommen - zu Beginn der Faschingsferien. Vielleicht aus diesem Grund, dass die Mindestteilnehmerzahl gerade erreicht wurde (im Unterschied zu früheren gemeinsamen Ausstellungsbesuchen). So stand nun das Häuflein der zwölf kunstbeflissenen GEWler etwas verloren im großen Eingangssaal. In den Begrüßungsworten des Kreisvorsitzenden Andreas Salomon schwang eine gewisse Verlegenheit darob mit, aber die Kunsthistorikerin Elisabeth Rechenauer schien Führungen vor kleinem Auditorium gewohnt zu sein. So kamen also die zwölf Aufrechten der GEW in den Genuss einer kompetenten und spannenden Führung.

Die Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Armut" in der Städtischen Galerie Rosenheim ist ein Projekt der Evangelischen Obdachlosenhilfe e.V. und des Diakonischen Werks Rosenheim. Seit der Eröffnung 2007 war die Ausstellung schon in 25 deutschen Städten, nun in Rosenheim. Sie zeigt etwa hundert Kunstwerke von 28 Künstlern - renommierte und arrivierte wie Jörg Immendorff, Klaus Staeck oder Rosemarie Trockel ebenso wie unbekannte und ausgestoßene wie Sebastian Blei, Mona Grgurinovic oder Mo.

Thema dieser Ausstellung sind Armut und Obdachlosigkeit in einem wohlhabenden Land wie Deutschland. Ein Thema, zu dem sich immer schon Künstler geäußert haben, aber doch selten Obdachlose wie in dieser Ausstellung. Die Kunstwerke sind überwiegend realistisch und zeigen u. a.

Im Rundgang durch die Galerie wählte Elisabeth Rechenauer aus der Fülle der Objekte - Zeichungen und Gemälde in unterschiedlicher Technik, Fotografien, Skulpturen - aus und bot neben dosierten kunsttechnischen und interpretierenden Erläuterungen vor allem Hintergrundinformationen, ja bisweilen spannende Geschichten zu Werkentstehung und Hobby-Künstler. Ein (guter) Künstler sieht genau hin, und (seine) Kunst macht sichtbar, aber die manchmal notwendige Sehhilfe (auch bei realistischen Werken) lieferte unsere Kunstführerin.

In seinem Schlusswort zeigte sich Andreas Salomon zufrieden über diese GEW-Veranstaltung - trotz des geringen Mitgliederinteresses sei sie als Erfolg zu sehen. Der Inhalt dieser Ausstellung verdiente es, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden. Gerade Schulklassen könnten großen Erkenntnisgewinn über die sozialen Verhältnisse in Deutschland erlangen und so würde der Sozialkundeunterricht gut ergänzt werden. Er bedauerte das baldige Ende und die verpassten Gelegenheiten, nicht auch mit Schulklassen diese Ausstellung besucht zu haben. Die Ausstellung hinterließ wohl bei den meisten Teilnehmern einen ambivalenten Eindruck: Ob des durchwegs hohen künstlerischen Standards ein empfangener Kunstgenuss, ob des dargestellten Inhalts ein beklemmendes Gefühl über die soziale Realität in Deutschland. Aber wie der Ausstellungstitel auch sagt: Trotzen wir der Armut!