Jahreshauptversammlung 2010


Pressemitteilung
von Lothar Walter

Kritischer Blick auf die Bildungslandschaft

Jahreshauptversammlung der GEW Rosenheim

Einmal im Jahr sollten möglichst viele Mitglieder der Bildungsgewerkschaft GEW zusammen kommen und große Rückschau halten. Bei zufrieden stellendem Veranstaltungsbesuch konnte Kreisvorsitzender Andreas Salomon seinen ausführlichen Rechenschaftsbericht vorstellen. Kernaussage: Bei stabilem Mitgliederbestand wurde eine erstaunliche Bandbreite an Aktionen entfaltet, allerdings beschränkt sich der aktive Kreis weit gehend auf die Vorstandschaft. Einige Veranstaltungen waren nur schwach besucht. Als Krönung seines Rückblicks präsentierte Salomon das neue Jahrbuch der GEW Rosenheim - der in Papierform geronnene Nachweis aller Aktivitäten.

Leider konnte Schatzmeister Toni Reil in seinem Kassenbericht an diesen positiven Grundtenor nicht anknüpfen. Er meldete einen dramatischen Rückgang der Finanzmittel und menetekelte bei ungebremster Talfahrt den "Konkurs" in zwei Jahren. Sollten daher die Ausgaben und damit logischerweise die Aktivitäten zurückgefahren werden? Die meisten Anwesenden verwarfen diese gedankliche Option und suchten die Lösung in einer Steigerung der Einnahmen. Dieser Weg führt aber nur über den Landesverband. Daher forderte die Jahreshauptversammlung in einem Beschluss, dass Kreisverbände, die keinen Finanzbericht abgeben, auch keinen Beitragsrückfluss mehr bekommen sollten und die so gesparten Gelder an die aktiven Kreisverbände zu verteilen seien.

Die Gewerkschaft Erziehung und Rosenheim ist zwar klein, aber fast überall drin. So bot die Jahreshauptversammlung die Gelegenheit, aus den verschiedenen Bildungsbereichen zu berichten und Erfahrungen auszutauschen. Reiner Schober berichtete von der Hauptschule, Wolfgang Orlowski vom Gymnasium, Lothar Walter aus der Berufsschule. Andreas Salomon beleuchtete die Tarifsituation an privaten Schulen und Michael Mende sprach über sozialpädagogische Berufe. Als Diskussionsschwerpunkte kristallisierten sich die Reizworte G8 und Mittelschule heraus. Die Hauptschule sei eine aussterbende Schulform, obwohl hier hoch engagierte und kompetente, aber dennoch geringer bezahlte Lehrkräfte unterrichten. Sie bringe viele junge Menschen statt auf den Arbeitsmarkt in die Arbeitslosigkeit. Sie sei eine Schule der Verliererkinder. Es stieß daher auf allgemeines Unverständnis, dass sie mit einem anderen Etikett versehen als Bildungsgang erhalten bleibe. Trotz Bewegung in der Schulstruktur bleibe das Gymnasium als scheinbar unerschütterliches Bollwerk Privilegierter bestehen. Das liege auch an dem alten Irrglauben des Bürgertums, dass ein längeres gemeinsames Lernen leistungsstarke Schüler ausbremse. Während die Hauptschule kriselt, böten integrative Systeme bessere Chancen für mehr Kinder. Sie haben zudem einen ökonomischen Vorteil: Das mehrgliedrige System ist unwirtschaftlich, weil das "knappe Gut Lehrer" nicht bedarfsgerecht eingesetzt werden kann. Das bildungspolitische Fernziel der GEW, eine Schule für alle, sei die pädagogisch bessere und finanziell günstigere Alternative.

Die engagierte, aber harmonische Diskussionsrunde endete mit den notwendigen Neuwahlen des Vorstands. Vorsitzender bleibt Andreas Salomon, seine beiden Stellvertreter sind wie bisher Reiner Schober und Wolfgang Orlowski. Schatzmeister bleibt Toni Reil. Die Homepage betreut Helmut Pritschet, die Pressearbeit macht weiterhin Lothar Walter. Michael Mende ist Beisitzer für die sozialpädagogischen Berufe.


Schriftführer und Kassier seit Menschengedenken:
Lothar Walter und Toni Reil